Festakademie für Hubert Tintelott: Globale Zivilgesellschaft unter Druck?

8. Februar 2018

Erzbischof Schick: Kirche muss Zivilgesellschaft stärken

Festakademie beleuchtete die Rolle der katholischen Kirche und ihrer Verbände für eine gerechtere Weltordnung

(Köln, 7.2.2018) Der katholische Sozialverband Kolping International und die Thomas-Morus-Akademie Bensberg feierten  im Kölner Maternushaus vor 120 Gästen eine Festakademie mit dem Titel „Globale Zivilgesellschaft unter Druck? Auftrag und Rolle der Weltkirche“. Anlass der Festakademie war der 70. Geburtstag von Hubert Tintelott, ehemaliger Generalsekretär des Internationalen Kolpingwerkes, der während seiner 39-jährigen Amtszeit (1973 bis 2012) visionär für eine starke zivilgesellschaftliche Verantwortung der Kirche einstand.

 

Dr. Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg und Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, würdigte Tintelott im Hinblick auf sein jahrzehntelanges Engagement im Kolpingverband als einen besonderen Repräsentanten der globalen Zivilgesellschaft. In seiner Festrede betonte Schick, der selbst Kolpingmitglied ist: „Eine funktionierende Zivilgesellschaft ist unabdingbar für das Wohl der Menschen.“ Dazu müsse auch die Kirche ihren Beitrag leisten. „Das Reich Gottes will die Zivilgesellschaften formen, es will und muss in dieser Hinsicht auch politisch sein.“ Es gehöre daher zur Aufgabe der Kirche, die zivilgesellschaftlichen Organisationen oder sozialen Bewegungen zu unterstützen, die sich um das Gemeinwohl kümmern. Allerdings gehe es der Zivilgesellschaft momentan nicht gut. „Vielerorts schließen sich derzeit für die Zivilgesellschaft wieder Freiräume, die sich erst vor wenigen Jahren mit dem Ende des kalten Krieges eröffnet hatten“, beklagte Schick. Als Auslöser für diese „shrinking spaces“ nannte er die weltweit verschärften Antiterrorgesetze nach dem 11. September 2001, die selbst in etablierten Demokratien zu Bürgerrechtseinschränkungen bis hin zu schwersten Repressalien gegenüber zivilgesellschaftlichen Organisationen beigetragen hätten. Hier solle die Kirche ihr enormes Potenzial nutzen: „Wo Handlungsmöglichkeiten der Zivilgesellschaft eingeschränkt werden, da muss die Kirche Widerstand leisten“, machte Schick deutlich.

 

In einer Podiumsdiskussion, moderiert von Karin Kortmann, der Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, widmeten sich Erzbischof Schick, Hubert Tintelott und Dr. Markus Demele, Generalsekretär von Kolping International, anschließend dem Verhältnis von Zivilgesellschaft und Kirche im Wandel der Zeit. Als zweite Diskussionsrunde kamen internationale Gäste zu Wort: Father Antony Raj, Nationalpräses von Kolping Indien, Dancille Mujawamariya, Geschäftsführerin von Kolping Ruanda und Vasyl Savka, Geschäftsführer von Kolping Ukraine, berichteten eindrucksvoll von den Erfahrungen ihrer Verbände als zivilgesellschaftliche Akteure – von Erfolgen, die bereits sichtbar sind, aber auch von den Grenzen ihres Handelns.

 

Prof. Dr. Gerhard Kruip vom Lehrstuhl für Christliche Anthroposophie und Sozialethik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz referierte abschließend über den Auftrag von Laien und Verbänden für die globale Zivilgesellschaft. Hier verweis er unter anderem auf eine starke westliche Hegemonie innerhalb der Zivilgesellschaft. „Derzeit sind nur zwei Prozent der Weltbevölkerung zu Hause in Ländern mit einer offenen Zivilgesellschaft“, sagte Kruip. Das erkläre die westliche Dominanz. „Aber es macht auch deutlich, wie sehr wir uns bemühen müssen, Menschen in solchen Ländern klug und diplomatisch zu unterstützen und zu fördern, um dort die Zivilgesellschaft zu stärken.“