Festakt zum 200. Geburtstag des Gesellenvaters

8. Mai 2013

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Bannerzug-2-DomKolping in Diözese – eine Geschichte mit Zukunft

 Es ist nicht vielen Mensch vergönnt, dass sich die Gesellschaft noch nach 200 Jahren an sie erinnert.
In diesem Jahr wird natürlich der Geburtstag der großen Komponisten  Richard Wagner oder Giuseppe
Verdi mit musikalischen Aufführungen oder auch Sendungen über ihr Leben gefeiert.

Dass es da auch einen ehemaligen Schusterlehrling gab, der eine heute weltweite Sozialbewegung gründete, an den man sich auch heute noch voller Dankbarkeit erinnert, das ist in der heutigen Zeit schon nicht mehr so selbstverständlich. Und dass seine Ideen, sein Werk und sein Vorbild auch heute noch weiter wirken, das war deutlich spürbar am 4. Mai, als das Kolpingwerk im Bistum den 200. Geburtstag seines Gründers mit einem Gottesdienst und einem Festakt beging. Über 300 Kolpingmitglieder aus dem gesamten Bistum waren dazu nach Regensburg gekommen.

 In seiner Predigt in der Alten Kapelle – der Taufkirche Bayerns – bezeichnete Diözesanpräses Stefan Wissel den Gesellenvater als großes Vorbild, dessen Geist und Wirken die Menschen bis heute anzieht und begeistert: „Er legte keinen großen Wert auf Titel oder Auszeichnungen, er wollte keine großen Sprüche, Kolping war ein Mann der Tat, der sein Herz zum Pfande einsetzte. Er  erkannte die Probleme seiner Zeit und hat gehandelt.“ Dies sollte uns Vorbild sein bis heute. Auch heute kommt es darauf an die Nöte der Zeit zu sehen und sich einzumischen, auch politisch. Kolping hat bis heute den Auftrag sich soziale Anliegen zu eigen zu machen. Kolping tut das in den Einrichtungen wie dem Kolping-Bildungswerk, wo man sich um Arbeitslose oder um Jugendliche kümmert, die keinen Ausbildungsplatz bekommen. Aber auch in den Kolpingsfamilien und vor Ort mussen Nöte gesehen werden: „Wir sind viele, gemeinsam haben wir starke Arme“, so die Diözesanpräses. „Lernen wir von den Nöten der Zeit im Vertrauen auf Gott, brennen wir in den Wunden der Welt. Wenn die Menschen sagen, hier hat Kolping geholfen, dann sind wir auf dem richtigen Weg!“

Mit einem Bannerzug unter musikalischer Begleitung des Orchestervereins Steinweg gings dann ins Kolpinghaus, wo Diözesanvorsitzender Heinz Süss etwa 300 Delegierte aus den Kolpingsfamilien der Diözese begrüßen konnte, insbesondere auch die Ehrenpräsides Robert Hüttner und Harald Scharf, Diözesanehrenvorsitzenden Ernst Beier, den Vorsitzenden des Diözesankomitees Philipp Graf von und zu Lerchenfeld MdL, den Vizepräsidenten der Handwerkskammer Ndb.-Opf. Franz Greipl und nicht zuletzt den Hauptredner des Abends, Karl Schiewerling, MdB und Landesvorsitzender des Kolpingwerkes Nordrhein-Westfalen. Ein besonderer Gruß galt auch einer Delegation von Kolpingfreunden aus dem benachbarten Wels, die extra zum Festakt angereist waren.

Da Familie immer eine der zentralen Themen des Gesellenvaters war wurde Kolpingsohn Karl Schiewerling auch gebeten, zu diesem Thema zu referieren.  Für den Bundestagsabgeordneten wird aktuell viel von den großen Themen Euro- oder Schuldenkrise in Europa gesprochen, das beherrschende Thema der nächsten Jahre wird aber vor allem die demographische Entwicklung sein. „Die Welt wird sich in den kommenden Jahren stark verändern und damit auch unsere Gesellschaft. Wir haben aber noch gar nicht begriffen, was sich mit der Überalterung unserer Gesellschaft abspielen wird.“ Für Schiewerling war Kolping prophetisch als er schon vor 150 Jahren schrieb:

„Das Schicksal der Familie ist über kurz oder lang das Schicksal des Landes!“ „Wir werden die demografische Entwicklung in vielen Bereichen zu spüren bekommen“, so Schiewerling: „Viele Ausbildungsplätze bleiben bereits jetzt unbesetzt, Ältere müssen länger arbeiten, Gesellschaft und Politik müssen auf diese Veränderungen Antworten finden. Aber wie werden wir diese Herausforderungen bewältigen, wenn gleichzeitig immer mehr Jüngere weniger leistungsfähig sind, weniger belastbar und psychische Probleme haben? Viele fühlen sich heute gestresst und überfordert durch den schnellen Wandel der Technik, v.a. durch die Informationstechnologien. Viele können die Daten- und Informationsflut gar nicht mehr verarbeiten.

Wenn wir unseren Wohlstand und unser wirtschaftliches Niveau halten wollen, dann geht das aber nur mit stabilen, gesunden Menschen und mit Menschen, die keine Angst haben. Auch Angst ist ein vielfach vorherrschendes Thema unserer Zeit.“ Umsomehr kommt es darauf an, so der Referent, dass Kinder eine stabile Umgebung und Erziehung in der Familie erleben.

Wie ist aber die Situation der Famlie heute? Bis heute wachsen 80% der Kinder bei ihren leiblichen Eltern auf. In den Medien werde aber oft ein verzerrtes Bild gezeichnet, als ginge es nur noch um das Thema Gleichstellung homosexueller Partnerschaften und als könnten nur noch professionelle Pädagogen Erziehungsarbeit leisten, möglichst bereits im Vorschulalter. Aber in den ersten drei Lebensjahren, und das sagt auch die Forschung, kommt es nicht so sehr auf Bildung, sondern vielmehr auf Bindung an. Hier haben sich Grundhaltungen verändert, Zeitgeist und Ideologien verzerren das Bild. Bindung findet v.a. in der Familie statt und Erziehung und ist zunächst Aufgabe der Eltern.

Das Grundgesetz schützt Ehe und Familie deshalb, weil es der Ort ist, wo Kinder geboren werden und weil Ehe und Familie Keimzellen der Gesellschaft sind, die Kindern eine stabile Grundlage geben soll. Wichtig sind hier laut Schiewerling v. a. eigenständige Menschen, die Verantwortung übernehmen füreinander und für die Kinder. Ohne diese Reife zur Verantwortlichkeit keine Erziehung, ohne Verantwortung letztlich keine Freiheit. „Und nicht der Staat und die Institutionen tragen in erster Linie diese Verantwortung, sondern die Eltern.“

Minderheiten fordern heute vehement die volle Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit der Ehe. Schiewerling dazu: „Ich habe Respekt vor jeder verantwortlich gelebten Partnerschaft, aber die volle Gleichsetzung mit der Ehe von Mann und Frau hat keine Zukunft, denn Kinder entstehen naturgemäß nur durch Mann und Frau. Somit geht es letztlich um die Zukunft der Gesellschaft.“ Und weiter: „Keiner hat ein Recht auf Kinder, aber jedes Kind hat ein Recht auf Vater und Mutter.“ Schiewerling weiter: „Die Zukunft des Landes liegt nicht nur in technischer Innovation und einer funktionierenden Wirtschaft, die Zukunft liegt auch darin, dass wir noch Menschen haben, die Kinder wollen und Verantwortung übernehmen für sie. „Das Thema Familie ist eine der großen Zukunftsfragen unserer Gesellschaft und auch der Politik. Wir dürfen nicht zulassen, dass alles unter das Diktat der Wirtschaft gestellt wird, das betrifft die Erziehung, die Familien und das betrifft auch den Schutz des Lebens allgemein. !“

 Schiewerling abschließend: „Ich kann dem Kolpingwerk im Bistum Regensburg nur raten, in diesen Bereichen wachsam zu sein. Wir brauchen den Schulterschluss mit denen, die sich für Familie einsetzen, wir müssen jungen Paaren Mut machen zu Kindern, zu Erziehung und ihnen sagen: ihr seid auf dem richtigen Weg! Mit dem Angebot von Familienkreisen in den Kolpingsfamilien, auch unserer Ferienstätten, können wir Familie stützen und fördern.

 Die Familie ist die Grundlage unserer Gesellschaft, deshalb muss Kolping die Familie stärken, damit Eltern Verantwortung übernehmen, damit Kinder heranwachsen können. Wir müssen uns einsetzen für gute Rahmenbedingungen für Familien. Ich wünsche euch, dass ihr die Zeichen der Zeit erkennt und entsprechend handelt!“

Mit dem Kolpinglied und einem gemeinsamen Essen klang der Festakt zum 200. Geburtstag des Gesellenvaters im Kolpinghaus aus.