Das Kolpingwerk – Portrait des Gesellenvaters Adolph Kolping

30. April 2012

Im Jahre 1849 gründete der frühere Schustergeselle und spätere katholische Priester  Adolph Kolping  in Köln einen Verband für ledige Handwerksgesellen (Katholischer Gesellenverein) mit dem Ziel, ihnen Hilfe bei der Bewältigung der Probleme zu geben, die sich aus den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen (Auflösung des Zunftswesens, Verelendung der Handwerksgesellen, „Industrielle Revolution“) ergaben und die heute unter den Begriff der  „Sozialen Frage des 19. Jh.“  zusammengefasst werden.

Aus kleinen Anfängen heraus hat sich diese Idee (früher „Katholischer Gesellenverein“) bis heute zu einem weltweiten Verband (Internationales Kolpingwerk) weiterentwickelt mit heute ca. 6.000 örtlichen Gruppen und 500.000 Mitgliedern in  über 60 Ländern  der  Erde. Trotz des gewaltigen Wachstums und der veränderten gesellschaftlichen Situation ist das Kolpingwerk seiner eigentlichen Aufgabe treu geblieben und arbeitet auch heute mit an der Lösung gesellschaftlicher, wirtschaftlicher oder politischer Fragen der Gegenwart und Zukunft, sei es auf nationaler oder internationaler Ebene.

Das Kolpingwerk versteht sich bis heute als  katholischer Sozialverband,  der in besonderer Weise die Entfaltung der persönlichen Anlagen seiner Mitglieder unterstützt, den Mitgliedern und der Gesellschaft Lebenshilfen anbietet und durch die Aktivitäten seiner Mitglieder und Gruppierungen das Gemeinwohl im christlichen Sinne fördert.

Die Arbeit des Kolpingwerkes ist ausgerichtet  auf den ganzen Menschen.  Für alle Lebensbereiche soll er Hilfe und Anregung erfahren können, ebenso aber auch die Möglichkeit haben, sich mit all seinen Sorgen und Problemen aber auch Kenntnissen und Fähigkeiten einzubringen. Gerade die enge Verflochtenheit und Wechselbeziehung zwischen den einzelnen Lebensbereichen ist für das Kolpingwerk in seinem Dienst an der ganzheitlichen Entfaltung des Menschen Ansatzpunkt, die eigene Arbeit umfassend anzulegen.

Von diesem Ansatz her richtet sich  das Wirken des Kolpingwerkes  schwerpunktmäßig auf die Bereiche Arbeit und Beruf,  Ehe und Familie,  Gesellschaft und Staat,  Kultur und Freizeit.

Als demokratischer strukturierter Verband sieht sich das Kolpingwerk mitverantwortlich für die Förderung der Demokratie und tritt für die besondere Würde des Menschen in jeder Lebensphase und für die unveräußerlichen und unverletzlichen Menschenrechte ein.

In besonderer Weise fühlt sich das Kolpingwerk in Europa – aus seiner geschichtlichen Entwicklung und seinem Programm heraus – der Europaidee verpflichtet und arbeitet intensiv mit dem  Europarat  und der Europäischen Union  bzw. dem  Europäischen Parlament  zusammen, wobei es seit 1974 als NGO (= Non-Governmental Organization) bzw. NRG (= Nicht-Regierungsorganisation) den  „Konsultativstatus  beim  Europarat“  (Conseil  de  l’Europe)  in Straßburg  inne  hat.

Aus seinem weltweiten Engagement hat es weiters den „Konsultativstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat  der  Vereinten Nationen“  und  den  „Sonderstatus bei der Internationalen Arbeitsorganisation  (ILO = International Labour Organization)“.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 sah das Internationale Kolpingwerk eine wesentliche Aufgabe darin, in den ehemals kommunistischen Staaten durch den Aufbau selbständiger Nationalverbände zum Aufbau einer Civil Society  beizutragen. Mittlerweile sind in vielen mittel- und osteuropäischen Ländern wie z.B. in Polen, Ungarn, der Tschechischen Republik, Rumänien, der Slowakei, Albanien usw. lebendige Verbandsstrukturen entstanden, die in Aufgabenfelder wie Jugend- und Familienarbeit, allgemeine und berufliche Bildung, Kleingewerbeförderung und Sozialarbeit, aber auch im Bereich gesellschaftspolitische Bildungsarbeit wichtige Aufgabenfelder aufgegriffen haben und drängende gesellschaftliche Aufgaben in eigener Verantwortung wahrnehmen.

Wenn auch der Verband in Europa entstanden ist und seinen internationalen Sitz weiterhin in Köln hat, so erstreckt sich das Aufgabenfeld zwischenzeitlich jedoch über die ganze Welt. Die Förderung der internationalen  Zusammenarbeit  und Solidarität ist ein zentraler und wichtiger Aufgabenbereich und das Internationale Kolpingwerk leistet hiermit auch eine Beitrag zur Lösung der internationalen sozialen Frage.

Lebenslauf Adolph Kolpings

Der frühere Schumacher und spätere Priester Adolph Kolping begründete im 19. Jh. einen heute internationalen katholischen Sozialverband (damals Gesellenverein, heute Kolpingwerk).

Innerhalb weniger Jahre gründen sich Katholische Gesellenvereine im gesamten deutschsprachigen Europa und darüber hinaus. Kolping selbst unternimmt mehrere
Reisen, um seine Idee vorzustellen und gewinnt dafür Mitarbeiter und Förderer. Gleichzeitig gründet er die Wochenzeitung „Rheinische Volksblätter“ und schreibt viele Artikel selber.

In dieser Zeit der beginnenden Industriellen Revolution, in der viele Menschen ausgebeutet werden und verelenden, erkennt er früh die Notwendigkeit sozialer
Reformen und gründet u. a. Sparkassen, Kranken- und Arbeitslosenversicherung
für seine Gesellen. In Köln wird 1865 das erste Gesellenhospizium eingeweiht,
Vorläufer der heutigen Kolpinghäuser.

Mit seinen Ideen und Reformen wird er damit auch zu einem Vordenker der
Katholischen Soziallehre. Sein Leben und seine Ideale sind bis heute Vorbild für
viele Menschen auf der ganzen Welt. Als „Gesellenvater“ und Sozialreformer ist
Kolping in die Geschichte eingegangen.

1991 wurde er von Papst Johannes Paul II. in Rom seliggesprochen.

Sein Werk lebt weiter in heute über 60 Ländern der Erde.
8.12.1813 Geburt in Kerpen bei Köln
1820 – 1826 Besuch der Volksschule
1826 – 1837 Lehre und Gesellenzeit als Schuhmacher
1837 – 1841 Gymnasium in Köln – Abitur
1841 – 1842 Theologie-Studium in München
1842 – 1844 Theologie-Studium in Bonn
1844 – 1845 Priesterseminar
13. 4. 1845 Priesterweihe in Köln
1845 – 1849 Kaplan in Elberfeld
1846 1. Gesellenverein in Elberfeld
1849 Gründung des Gesellenvereins in Köln
Ausbreitung der Gesellenvereine in Europa
Kolping gründet die „Rheinischen Volksblätter“
Er gründet Sparkassen, Krankenkassen und Arbeitslosenversicherungen für Gesellen
15. 9. 1865 Einweihung des ersten Gesellenhospiziums in Köln
4.12.1865 Todestag
Grab Kolpings in der Minoritenkirche Köln
27.10.1991 Seligsprechung in Rom durch Papst Johannes Paul II.

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