Kolping-Diözesanversammlung 2016 – Kolpingpreis an KF Nittenau

14. März 2016

Europa-Spitzenpolitiker Manfred Weber sprach zu den Delegierten
Kolping-Diözesanversammlung vom Tod des amtierenden Vorsitzenden Heinz Süss überschattet – Josef Sander aus Abensberg führt kommissarisch den Diözesanverband Regensburg. Der diesjährige Adolph-Kolping-Preis ging an die KF Nittenau für ihr Projekt Kleiderkammer.

DiVe-2016-HP-WeberBild: Gechenk für den Referenten,
v.l. Diözesanpräses Stefan Wissel, Manfred Weber, Sepp Sander

 

Der Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europaparlament, MdEP Manfred Weber, referierte über das Thema „Das christliche Europa im Kontext der aktuellen Flüchtlingspolitik.“ Die Diözesanversammlung stand unter dem Eindruck des erst sechs Tage vor der Versammlung verstorbenen, langjährigen Diözesanvorsitzenden Heinz Süss. An dessen Leistungen aus seinem Schaffen für das Kolpingwerk in der Diözese Regensburg erinnerte Diözesanpräses Stefan Wissel zu eingeblendeten Bildern. Die tagenden „Kolpinger“ gedachten ihrem geschätzten „Heinz“ im Gebet,
Die kommissarische Leitung des Diözesanverbandes, so Diözesanpräses Stefan Wissel, wird bis zur Neuwahl im März 2017 der bisherige stellvertretende Vorsitzende Josef Sander aus Abensberg übernehmen.

 

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Der Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Manfred Weber, begann seine Ausführungen mit der Feststellung, dass Europa für viele Bürger scheinbar weit weg ist, aber die politischen Entscheidungen in Brüssel sind in unserem Alltag sehr nah und spürbar. Als Beispiele hierfür nannte er die Finanz-Rettungsschirme, die Griechen-landkrise und aktuell die Flüchtlingspolitk. Die Europäische Union mit ihren 28 Mitgliedsstaaten, so Weber, sei auch auf sozialer Ebene sehr präsent. So regelt die EU komplett den Bereich Arbeitssschutz und Arbeitssicherheit. Darüber hinaus fließen auch Mittel aus dem europäischen Sozialfonds sowie Mittel zur Wirtschaftsförderung in Maßnahmen aus unserer Region. Weber sieht in Anbetracht von 50 Prozent arbeitslosen Jugendlichen in Spanien und einigen weiteren Südländern akuten Handlungsbedarf. Durch entsprechende Fördermaßnahmen konnten hier bereits Verbesserungen erreicht werden. In Bezug auf die Rettungsschirme und auf Hilfen für die finanzschwachen Staaten muss Solidarität mit Subsidarität gekoppelt werden, damit die Hilfsmaßnahmen auch wirken können. Auch in Punkto der Freihandelsabkommen wie TTP und CETA muss sich Europa bewegen, um wirtschaftlich zusammen mit der USA als größte Handelsregion der Welt stark zu bleiben. Für ihn komme aber eine Privatisierung der Wasserversorgung und Hormonfleisch auf deutschen Tellern nicht in Frage, zog Weber aber einen klaren Strich bezüglich evtl. Zugeständnisse.

 

In Anbetracht von 250.000 Toten in Syrien, davon 40.000 Kindern und die Hilfe im armen Land Libanon, wo mittlerweile mehr syrische als libanesische Kinder zur Schule gehen, muss dieser reiche Kontinent Europa, der sich als christlicher Kontinent definiert, auch helfen. Es dürfte keine Politik geben, wo Grenzen zugemacht und abgeschottet werden. Europa ist gefordert und muss helfen. Weltweit sind 60 Millionen Menschen auf der Flucht, da kann es aber auch nicht sinnvoll sein, einfach unkontrolliert jeden reinzulassen. Deshalb müssen wir einen Mittelweg zwischen diesen beiden Herausforderungen finden. Europa muss schauen wer reinkommt, aber auch Hilfsbereitschaft zu signalisieren. Wir kommen nicht umhin großherzige Kontingente anzubieten, die dann aber auch in Europa solidarisch mitgetragen werden müssen. Es gehe nicht an, dass der Landkreis Regensburg mehr Flüchtlinge aufnimmt, wie die gesamte tschechische Republik. Europa muss zudem mehr Geld in die Hand nehmen, um Zukunft in den Regionen der Flüchtlinge zu schaffen. Er stehe zu Angela Merkel und Jean-Claude Junker, die für eine europäische Lösung in der Flüchtlingsfrage kämpfen. Wir stehen deshalb in Europa in den nächsten Wochen vor einer großen Bewährungsprobe.
Zur Zukunft von Europa sagte Weber: „Ich hoffe, dass dieser Kontinent Europa nie vergisst, wo er herkommt, sich als christlich geprägter Kontinent begreift und sich auch in unserer säkularen Welt behaupten kann!“

 

Die Tagung  stand weiter im Zeichen der Information und den Rechenschaftsberichten über die vielfältigen Aktivitäten des Diözesanverbandes Regensburg. Im Mittelpunkt stand dabei der mutgebende Kolpingtag in Köln vom 18. bis 20. September 2015. Erleichtert konnte Präses Wissel den Abschluss der Sanierung des Jugendwohnheimes im Kolpinghaus mit Kosten in Höhe von 3,8 Millionen Euro verkünden. Dieses Haus, so der Diözesanpräses, ist Tradition und ein Aushängeschild des Kolpingwerkes, denn in ihm finden 110 Jugendliche, darunter derzeit 15 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, eine Heimat auf Zeit.
Der kommissarische Diözesanvorsitzende Josef Sander konnte auch Domkapitular Thomas Pinzer, Bundesvorstandsmitglied Wolfgang Simon, die Landesvorsitzende Dorothea Schömig, den Diözesan-Ehrenpräses Prälat Robert Hüttner und Diözesan-Ehrenvorsitzenden Ernst Beier sowie den Nationalpräses des Kolpingwerkes Brasilien Padre Pedro da Silva begrüßen.
Padre Pedro berichtete über seinen 9000 Mitglieder zählenden Verband, der in 19 Bundesstaaten in 247 Kolpingsfamilien organisiert ist. Die Arbeit des Verbandes wird vom Eintreten für mehr soziale Gerechtigkeit sowie von der beruflichen Ausbildung bestimmt.
Domkapitular Thomas Pinzer dankte dem Kolpingwerk für seinen Einsatz im ehrenamtlichen Bereich und im Flüchtlingsbereich. Bischof Rudolf hat durch seine Teilnahme an der Beerdigung von Heinz Süss gezeigt, wie wichtig ihm die Arbeit der Verbände und das von ihnen ausgehende ehrenamtliche Engagement sind.

Weitere Rechenschaftsberichte trugen Diözesanjugendleiterin Stefanie Plötz von der KF Frontenhausen für die Kolpingjugend, Diözesanpräses Stefan Wissel und Hausleiter Klaus Butz für das Familienferienhaus Lambach und Christine Jäger für das Kolping-Bildungswerk vor. Der Adolph-Kolpingpreis wurde an die Kolpingsfamilie Nittenau für das Einrichten und Betreiben einer Kleiderkammer verliehen.

Adolph-Kolping-PreisWer Mut zeigt, ………..DiVe-2016-HP-AKP-Preis
Der Adolph-Kolping-Preis des Diözesanverbandes wurde in diesem Jahr an die Kolpingsfamilie Nittenau für das Einrichten und Betreiben einer Kleiderkammer verliehen. Vorsitzender Werner Weindler nahm den Preis im Namen der KF entgegen und spendete die Prämie sofort wieder für das Jugendwohnen.
Seit drei Jahren wird das Projekt nun bereits betrieben in den Räumen eines ehemaligen Kaufhauses der Schwiegereltern des Vorsitzenden. Gesammelt werden alle Arten von gut erhaltenen Kleidungsstücken. Interessenten können die Sachen gegen eine Spende mitnehmen. Aus den Spendenerlösen wurden bereits weitere Sozialprojekte unterstützt. Ein ehrenamtlicher Helferkreis kümmert sich um die Lagerung und Ausgabe der Textilien. Die Interessenten kommen aus Nah und Fern. Auch in benachbarten Orten wie Bruck und Neunburg v. Wald sind mittlerweile solche Kleiderkammern entstanden, nach dem Vorbild der KF Nittenau. Kolping hatte also recht:
„Wer Mut zeigt, macht Mut!“