Kolping-Orientierungstag zum Zukunftsprozess in Regensburg

8. November 2017

 

Bereits zum wiederholten Mal fand ein sog. „Orientierungstag“ für Leitungskräfte aus den Kolpingsfamilien des Diözesanverbandes in Regensburg statt. Fast 70 Teilnehmer aus dem gesamten Bistum, darunter auch viele Präsides, hatten sich angemeldet und folgten aufmerksam den Ausführungen. Im Mittelpunkt stand dieses Jahr das Referat von Uli Vollmer, dem Bundessekretär des Kolpingwerkes aus Köln zum Zukunftsprozess „Kolping-Upgrade“. Er überbrachte gleich zu Beginn die Grüße des Bundesvorstandes und des Bundespräses Josef Holtkotte, dann informierte der Bundessekretär über den Zukunftsprozess,der bereits mit einer Mitgliederbefragung begonnen hat. Weiter Veranstaltungen dazu sind geplant.

 

„Kolping-upgrade“ – unser Weg in die Zukunft
Warum gibt es einen Zukunftsprozess?
Der Bundessekretär stellte gleich zu Beginn die rhetorische Frage: Warum wurde der Zukunftsprozess überhaupt begonnen? Und er gab auch gleich einige Antworten: Die Gesellschaft ist im Wandel, vor allem im demografischen Wandel: Wir werden weniger, wir werden aber auch älter, man lebt länger: „wir haben dadurch mehr geschenkte Jahre“, gleichzeitig wird die Gesellschaft bunter, es gibt eine Vielfalt der Kulturen, der Lebenseinstellungen, der Religionen usw.. Derzeit erleben wir die Entwicklung von der analogen Druckgesellschaft zur Digitalgesellschaft. Vollmer fragte dabei: Wie schaffen wir die Umstellung, ohne dass der Mensch dabei verloren geht?
Beim Zukunftsprozess geht es um das Kolping-Profil der Zukunft, wir fragen uns: sind wir mit den 4 Handlungsfeldern richtig aufgestellt? (Jugend, Arbeit, Familie, Eine Welt). Welche Zielgruppen nehmen wir in Zukunft in den Blick?
– Jugendarbeit: dort wo es möglich ist. Wir sollten es nicht aufgeben jungen Menschen Heimat und Raum anzubieten. Dazu zählt auch das Jugendwohnen.
– Arbeit: wir kommen aus der Arbeitswelt, früher kannte man den alten Kolping-Gruß: „Gott segne das ehrbare Handwerk! – Gott segne es!“, Kolping wirkt nach wie vor in vielen Gremien mit, viele Mitglieder engagieren sich nach wie vor in den Selbstverwaltungsgremien.
– Familie: Kolpings Chance ist der altersübergreifende Ansatz und der Familienverband, hier hat sich viel verändert mit Scheidungen, Patchworkfamilien, die Familie ist vielfach bedroht,
– Eine Welt: die Internationalisierung ist ein Markenzeichen des Verbandes geworden, nutzen wir das ausreichend?,
– sind wir noch ein kath. Sozialverband? (Das heißt nicht nur sozial zu sein, sondern auch Fragestellungen aus der Arbeitswelt zu beantworten und in die Politik einzubringen), oder sind wir eher ein Kath. Familienverband, es geht um das Kolping-Profil der Zukunft.

Kolping und Kirche: es muss weiterhin selbstverständlich sein, dass Kolping auf dem Fundament der Kirche steht. Zu Kolpings Zeiten war der Katholische Gesellenverein etwas Neues, die Idee eines Laienverbandes war nicht unbedingt in der Kirche willkommen, Kolping schuf einen neuen Typ von kirchlicher Gemeinschaft. Er begründete damit das Laienengagement in der Kirche. Kolping öffnete seine Gesellenvereine für viele Menschen, aber er bestand immer auf kirchlicher Grundlage.  Kolping wollte den tüchtigen Arbeiter, Vater, Christen in seiner Zeit, dieser Ansatz gilt bis heute,
Es tellen sich heute neue Fragen, die man früher zu Zeiten der Volkskirche gar nicht diskutierten musste: kann jemand bei Kolping sein, wenn er aus der Kirche austritt? Wie gehen wir damit um, was ist hier in Zukunft zu tun?
Heute gibt es neue pastorale Orte (Pfarrgemeindezusammenlegungen). Wie soll sich Kolping hier in Zukunft aufstellen und positionieren?
Es gilt ein klares kirchliches Bekenntnis zu wahren, aber auch eine neue ökumenische Offenheit zu wagen, sonst werden wir zu irgendwann zu Minderheiten. Trotz Säkularisation sind die Kirchen bis heute eine wichtige Größe in der Gesellschaft,
Mitgliederverband und Einrichtungen:  die Kolping-Einrichtungen leisten viel gute Arbeit, aber Kolping muss ein Mitgliederverband bleiben,

Der Zukunftsprzess ist ein Dialogprozess in 4 Schritten
Beim Zukunftsprozess will der Bundesvorstand mit allen DV´s ins Gespräch kommen. In der Startphase wurde eine Mitgliederumfrage gestartet, mehr als 7.000 Mitglieder haben sich beteiligt. Das Ziel war herauszufinden wie tickt der Verband? Es gab dabei viele emotionale und auch kritische Aussagen und Fragen.
Der Zukunftsprozess läuft in 4 Schritten ab:
2017 Mitgliederumfrage und Handreichung für Kolpingsfamilien,
2018 sind 20 Regionalforen geplant in 20 Diözesen, (Kolpinghaus Regensburg, Samstag, 14. April 2018, 10.30 – 16.00h), Jeder ist dabei willkommen, es gibt externe Moderatoren, es entstehen keine Kosten für die Teilnehmer, wichtig ist nur Zeit und Interesse. Man will bundesweit 7000 Mitglieder erreichen. Ausgangspunkt sind die Ergebnisse der Mitgliederbefragung,
2019: am 30. März 2019 ist ein Zukunftskonvent in Fulda geplant, es geht um die Zusammenführung der Ergebnisse aus den Regionalforen,
2020: Bundesversammlung in Köln, 400 Delegierte, Beratung offener Themen, Richtungs-entscheidung, evtl. Weiterentwicklung des Leitbildes, Kolpingwerk ist heute ein großer Tanker mit 2.500 KF´s und 700 Einrichtungen, Richtungsänderungen dauern, sind aber manchmal notwendig,

Zusammenfassend: Beim Zukunftsprozess geht es um die Schärfung des Kolping-Profils, des Kolping-Markenkerns, es geht um Aktivierung, um Fokussierung, bzw. auch um die Weiterentwicklung und Neufassung des Leitbildes.

„In der Gegenwart muss euer Handeln die Zukunft im Blick haben!“
                                                                             A. Kolping