Kolping und Ketteler: der Gesellenvater und der Arbeiterbischof

14. Februar 2017

KF Regensburg-Steinweg
Bei einem Vortrag bei der KF Steinweg verglich Diözesansekretär Ludwig Haindl die beiden großen katholischen Sozialreformer Kolping und Ketteler.

Kam der eine aus einfachen Verhältnissen im Rheinland und wurde zum Generalpräses und Gesellenvater, so kam der andere aus altem, westflälischen Adel  und wurde zum Arbeiterbischof von Mainz. Beide Männer trafen sich als junge Studenten 1841 in München und kamen dort mit der Sozialen Frage des 19. Jh. in Berührung. Als einer der ersten schrieb übrigens ein gewisser Franz von Baader über dieses Thema. Der vielseitig begabte Münchner war Naturwissenschaftler, Philosoph und Bergbauingenieur – und gründete 1805 die sog. Salin-Tafelglashütte in Lambach. Prägende Professoren waren damals u.a. der Publizist Joseph Görres oder der Kirchengeschichtler Ignaz von Döllinger. In der neuen Ludwig-Maximilians-Universität (1840 eingeweiht, Architekt war Friedrich v. Gärtner) herrschte noch der Geist der katholischen Romantik, geprägt insbesondere durch den ehem. Theologie-Professor und späteren Regensburger Bischof Johann Michael Sailer (+1832).

Ketteler wurde dann 1844 zum Priester geweiht in Münster, Kolping 1845 in Köln. Ketteler, der ehemalige Jurist in preussischem Statsdienst, der wie Kolping erst später Theologie studierte, wurde bereits 6 Jahre nach seiner Priesterweihe 1850 zum Bischof von Mainz ernannt. Der ehemalige Schustergeelle Kolping gründete bereits 1849 den ersten Kölner Gesellenverein in der Kolumbaschule.

Beide Männer gingen in ihrem Leben ungewöhnliche Wege und entwickelten für die damalige Zeit einen neuen Typus des sozial engagierten Geistlichen. Beide setzten zunächst auf caritative Hilfe durch die Kirche, durch Selbsthilfevereine, wurden aber immer mehr auch zu Verfechtern von politischer Einflussnahme und von staatlichen Gesetzen für die Handwerker und Arbeiter in der Zeit der Industrialisierung. Beide waren geprägt von den großen Fragen ihrer Zeit wie der Sozialen Frage des 19. Jh., kämpften aber auch für die Freiheit der katholischen Kirche, die stark vom preussischen Staat behindert wurde. Beide waren gefragte Redner bei den ersten Katholikentagen (ab 1848).

Kolping und Ketteler gingen unbeirrt ihren oft mühsamen und schwierigen Weg und wurden zu Wegbereitern eines sozial engagierten Christentums,  eines katholischen Verbändewesens oder der Soziallehre der Kirche. Papst Leo XIII., der 1891 die erste Sozialenzyklika „Rerum Novarum“ veröffentlichte, bekannte später: „Bischof Ketteler war mein Vorbild!“ Kolping wurde am 100. Jahrestag der Enzyklika in Rom von Papst Joh. Paul II. in Rom selig gesprochen.
Und auch Reichskanzler Otto von Bismarck, unter dessen Regierung ein Kulturkampf einsetzte gegen die Kath. Kirche und die Sozialisten, unter ihm wurden aber auch die ersten staatlichen Sozialgesetze in Deutschland eingeführt, er gab zu: „Ohne Ketteler wären wir heute nicht so weit!“
Auf Anregung Kettelers, der sich u.a. für Arbeiterselbsthilfevereine einsetzte, wurde 1849 der erste Arbeiter-Unterstützungsverein in Regensburg gegründet, Vorläufer der späteren KAB.
Kolping reiste zu seiner Zeit weit umher im deutschsprachigen Europa und gründete überall Gesellenvereine, die heute in den Kolpingsfamilien weiterleben. Durch seine offene und weitblickende Grundlegung hat sich sein Werk bis heute in über 60 Ländern der Erde verbreitet und trägt weiter Früchte. „Wir sollten uns bewusst sein, dass wir mit unserem modernen Sozialstaat von heute, auch auf den Schultern dieser beiden Männer stehen“, so der Diözesansekretär: „Ihr Werk und ihre Ideen leben weiter!“