Kolpingwerk: Klarer Auftrag an die Ortskirchen

28. Oktober 2015

 

Kolpingwerk Deutschland zur Weltbischofssynode 2015 in Rom
Die Ergebnisse der XIV. ordentlichen Bischofssynode zum Thema Ehe und Familie hinterlassen nach Einschätzung des Kolpingwerkes Deutschland einen zwiespältigen Eindruck. Bei aller Wertschätzung der Diskussionskultur und des Bemühens, die Kluft zwischen Lehre und Lebenswirklichkeit der Menschen nicht noch größer werden zu lassen, wurden die ho-hen Erwartungen vieler Menschen nicht erfüllt, da in den strittigen Fragen keine deutlichen Signale in dem Abschlussdokument der Synode erkennbar sind.

Diese Ambivalenz wird auch in der Abschlussrede von Papst Franziskus deutlich. Zunächst heißt es: „Die Erfahrung der Synode hat uns besser verstehen lassen, dass die wahren Verteidiger der Lehre nicht jene sind, die den Buchstaben verteidigen, sondern den Geist; nicht die Idee, sondern den Menschen; nicht die Formeln, sondern die unentgeltliche Liebe Gottes und seiner Vergebung.“ Aber dann geht es weiter: „Das bedeutet freilich nicht, in gewisser Weise die Bedeutung von Formeln, Gesetzen und göttlichen Geboten zu vermindern, sondern die Größe des wahren Gottes zu rühmen. (…)“

Mit der von Papst Franziskus in seiner Abschlussrede getroffenen Feststellung, dass jedes allgemeine Prinzip in die jeweilige Kultur übertragen werden muss, wenn es eingehalten und angewendet werden soll, wird ein klarer Auftrag an die Ortskirchen gesehen, eigenständig und mutig und im Einklang mit den Gläubigen nach Wegen zu suchen, wie Sexualität, Partnerschaft, Ehe und Familie in Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche und im jeweili-gen kulturellen Umfeld gelebt werden können.

Das Kolpingwerk würdigt den von der deutschsprachigen Gruppe – unter ihnen die (Erz)Bischöfe Franz-Josef Bode, Walter Kardinal Kasper, Heiner Koch, Reinhard Kardinal Marx und Gerhard-Ludwig Kardinal Müller – erstellten vielbeachteten Zwischenbericht. Zu wichtigen Themen wie Gestaltung der menschlichen Sexualität, Ehevorbereitung und -begleitung, verantwortete Elternschaft und Integration wiederverheirateter Geschiedener finden sich darin wegweisende Aussagen. Bedauert wird, dass das ebenfalls vielbeachtete Schuldbekenntnis der deutschsprachigen Gruppe auf der Strecke geblieben ist und nicht im Synodenpapier auftaucht.

Für den weiteren Weg bleibt, neben der Hauptbotschaft, dass die Kirche der Ehe und Familie ihre höchste Aufmerksamkeit widmet, das gewachsene neue Selbstverständnis der synodalen Verfasstheit der katholischen Kirche eines der wichtigsten Ergebnisse dieser Synode, das sich vielleicht gerade auch an den konkreten Inhalten der Beratung bewährt hat. Das Kolpingwerk Deutschland wird auch weiterhin den Weg der Ortskirchen – auf die Menschen hörend, sich ihren Hoffnungen und Ängsten annehmend – tatkräftig unterstützen.
28.10.2015