„Raus mit euch und erzählt allen von der Frohen Botschaft!“

14. März 2013

Diözesanversammlung des Kolpingwerkes 2013 im Kolpinghaus Regensburg:
Begeisterndes Referat von Prof. Wallner  zum Thema: „Geht hinaus in alle Welt!“

Selten gelingt es einem Redner seine Ansichten über die Kirche und ihre Zukunft in einer so guten Mischung aus inhaltlicher Tiefe und gekonnter Rhetorik  zu verbinden, wie es Pater Wallner vom Zisterzienser-Stift Heiligenkreuz bei Wien bei der Diözesanversammlung des Kolpingwerkes Regensburg am 9. März 2013 gelungen ist. Die über 22o Kolping-Delegierten  hörten gespannt zu, durften  dazwischen auch mal lachen, um am Ende spontan mit „Standing ovations“ zu applaudieren. „Dem Mann hätte ich noch länger zuhören können“ waren vielfache Rückmeldungen anschließend.

Dies gelang dem Zisterzienser-Pater und Rektor des Stifts Heilig-Kreuz Prof. Dr. Karl-Josef Wallner bei seinem Vortrag zum Thema: „Geht hinaus in alle Welt!“  durch seine breite Erfahrung und sein fundiertes Wissen. Das auf den ersten Blick nüchtern-ernste bibeltheologische Thema wusste der Pater aus Wien sehr unterhaltsam und interessant umzusetzen,  gewürzt mit Wiener Humor und feiner Selbstironie, ohne dabei den eigenen Anspruch zu vergessen.

„Geht hinaus in alle Welt und kündet von der Frohen Botschaft!, das war ein wichtiger Auftrag Jesu an seine Jünger und begründete faktisch den missionarischen Auftrag des Christentums. Dieser Auftrag gilt bis heute. Wichtig ist aber dies zeitgemäß mit neuer Sprache und neuen Ideen umzusetzen. Dabei gilt es die neuen Medien sinnvoll zu nutzen und auch die Frohe Botschaft ins Heute zu übersetzen. Leider braucht heute gerade Europa kräftige Impulse für die Neuevangelisierung, wie sie auch Papst Benedikt immer wieder forderte. Weltweit wächst die Katholische Kirche zwar nach wie vor, jedoch beträgt dabei der Anteil der Europäer gerade noch gut 20%, während sie z. B. in Südamerika und Afrika jährliche Zuwachsraten verzeichnet. So auch bei den Klöstern:  „Die Hälfte der weltweiten Zisterzienser stammt mittlerweile aus Vietnam!“ so Pater Wallner. In Europa sehen viele das Christentum fast nur noch als eine Art kulturgeschichtliche Erscheinung aus einer vergangenen Epoche. Viel ist an Glaubenswissen und -kultur verloren gegangen  (Und die Wahl des ersten südamerikanischen Papstes hat mittlerweile diesen Trend wohl bestätigt.) „Wir brauchen jedoch das Bekenntnis und den Mut unseren Glauben zu vertreten“, fordert Pater Wallner. „Wir müssen der kirchenkritischen Welt klar sagen: Wenn der christliche Glaube weiter schwindet, dann sind wir in Gefahr eine reine Ego-Gesellschaft zu werden, dann gilt wirklich bald nur noch der Spruch: „Geiz ist geil!“

(Pater Wallner ist Professor und Rektor an der der Päpstlichen Hochschule Heiligenkreuz bei Wien und in vielfacher Weise engagiert als Seelsorger, Theologe und auch geschätzter Vortragsreisender und Medienfachmann. Bekannt wurde er und sein Kloster vor einigen Jahren durch die Produktion der CD „Chants“, die mit ihren gregorianischen Chorälen sogar die internationalen Charts erklomm. Die Hochschule zählt aktuell 235 Studenten, das Kloster ist mit 82 Zisterziensern mittlerweile das größte in Europa.)

Regularien: „Kolping ist eine Geschichte mit Zukunft!“
Die Jahresberichte des Diözesanverbandes zeigten dann  im Jahr des 200. Geburtstages von Adolph Kolping (1813-1865), das breite Spektrum der Kolping-Aktivitäten im Bistum mit seinen über 150 Kolpingsfamilien und über 19.000 Mitgliedern. Von Bildungsabenden über Gemeinschaftsreisen bis hin zu den Familienbildungswochenenden, den Angeboten der Bildungswerke, des Kolpinghauses oder des Kolping-Ferienhauses Lambach. Wichtig bleibt auch,  so Diözesanvorsitzender Heinz Süss, dass Kolping immer wieder Heimat und Gemeinschaft vor Ort anbietet: „Hier in der Kolpingsfamilie darf ich so sein wie ich bin, hier bin ich angenommen, hier finde ich Gleichgesinnte und Gemeinschaft!“ Der Vorsitzende dankte dabei allen ehrenamtlich Engagierten für ihre Arbeit in den Kolpingsfamilien und Bezirksverbänden. Die Aktivitäten zeigen: „Kolping ist eine Geschichte mit Zukunft!“

Allein das Kolping-Bildungserk ist an 14 Standorten im Bistum vertreten, von Deggendorf bis Tirschenreuth, und bietet über 10.000 Theorieschulungsplätze an. Die Arbeit wird mit über 220 sozialversicherungspflichtigen Angestellten bewerkstelligt.

Interessante neue Angebote präsentierte das Kolping-Erwachsenenbildungswerk mit Ehevorberreitungsseminaren im Hochseilgarten, Lesenächten für Kinder, Vater-Kind-Zeltlager, Mutter-Kind-Wochen, dem Erziehungskurs „KESS-erziehen“ oder dem Seminar „Fit sein im Alter“ mit einem „Age-explorer“, der zeigt, wie sich ältere Menschen fühlen. Seminare für Ehrenamtliche unterstützen die Arbeit vor Ort.

Auch die internationale Arbeit wurde wieder stark unterstützt. Im letzten Jahr kamen über 125.000,- Euro an Spendengeldern zusammen für unterschiedliche Projekte. Unter anderem konnte dadurch ein Pfarrzentrum in Peru aufgebaut werden, der Ausbau eines Kindergartens in Brasilien, der Bau von Regenwasser-Zisternen in Trockengebieten oder Ökoinitiativen bei der ersten Indianer-Kolpingsfamilie in Costa Rica. Für heuer ist u. a. der Bau eines Kolpinghauses in Riachinho-Brasilien avisiert. Ehemalige Teilnehmer stellten dabei nochmals die Kolping-Arbeitseinsätze kurz vor. Seit 1992 wurden insgesamt 30 Jugend- und Erwachsenen-Workcamps  in 6 verschiedenen Ländern durchgeführt, mit vielfältigen konkreten Ergebnissen, Schwerpunkt dabei war natürlich das Partnerland Brasilien.

Im Ferienhaus Lambach ist der Wechsel in der Hausleitung gut gelungen, der neue Hausleiter Klaus Butz hat sich hervorragend eingearbeitet. Nach fast 12 Jahren wurde Hauspräses Norbert Bachus verabschiedet, mit Xavier Albizuri konnte bereits ein Nachfolger gefunden werden.

Für das laufende Jahr sind wieder zahlreiche Programmpunkte geplant, darunter bereits die 8. Vorstände-Europafahrt, diesmal nach Innsbruck, eine Schiffstour auf der Donau, „Tage der Treue“ für langjährige Mitglieder sowie im Herbst erstmals Gesundheitstage unter dem Motto: “ Fit bleiben für Körper, Geist und Seele“ in Lambach. Die Adventsfahrt führt im Dezember nach Berchtesgaden und Salzburg.

Das KEBW führt Ende März ein „Forum Wirtschaftsethik“ durch in Schloss Spindlhof durch und am 13. April ein Tagesseminar „Fit fürs Ehrenamt“.

Zum 200. Geburtstag des Gesellenvaters ist eine Festveranstaltung am 4. Mai geplant mit Gottesdienst in der Alten Kapelle und anschließendem Festakt im Kolpinghaus. Eingeladen dazu sind Kolping-Interessierte aus der gesamten Diözese. Referent ist Karl Schiewerling MdB und Kolping-Landesvorsitzender in NRW.

Über die Aktion „Beraten und Begleiten“ wurden bisher 6 Begleiter ausgebildet, die ersten Beratungs- und Begleit-Prozesse in Kolpingsfamilien sind bereits angelaufen.

Landesvorsitzender Wolfgang Simon verwies auf die Aktion „Wähl-Bar“ zu den Landes- und Bundestagswahlen hin. Hierzu können Materialien über die Diözesanbüros ausgeliehen werden. Im nächsten Jahre ist am 3. Okt. 2014 ist eine Landes-Wallfahrt nach Altötting geplant.

Adolph-Kolping-Preis 2013
Gewinner des diesjährigen Adolph-Kolping-Preises war die KF Landshut St. Nikola für ihre langjährigen Flohmarkt zugunsten sozialer Zwecke, den sie seit über 20 Jahren engangiert durchführt.  Vorsitzende Gabi Amannsberger freute sich über die Auszeichnung und bedankte sich beim Diözesanvorstand für Urkunde, Pokal und Geldpreis.

Kolping-Sozial-Kompetenz: „Die Nöte der Zeit erkennen und handeln!“
Ein besonderes Anliegen war für Diözesanpräses Stefan Wissel am Ende der Versammlung der Hinweis auf das Kolping-Lehrlingswohnheim in Regensburg.  Es muss in den nächsten Jahren saniert und umstrukturiert werden, um zukunftsfähig zu bleiben. Es bietet nach wie vor  für ca. 140 Jugendliche eine „Heimat auf  Zeit“, vor allem für junge Auszubildende aus der Region, teilweise auch aus ganz Deutschland.  Geplant ist für die Zukunft auch ein Projekt „Betreutes Wohnen“.

Der Präses stellte auch seine Initiative „SoKo“ (Kolping-Sozialkompetenz) nochmals vor und bittet darum, die „Nöte der heutigen Zeit“ zu sehen und zu helfen, wo es geht. Das heißt soziale Not im eigenen Umfeld erkennen und Hilfestellung geben, wo es möglich ist. Voraussetzung dafür ist eine  Datenerhebung über die Pfarreien oder Gemeinden: „Wir wollen den Blick schärfen für jene, die am Rande stehen. Das gehört bis heute zu den Aufgaben kirchlicher Sozialverbände!“