Rentenpolitische Forderungen der kath. Verbände zur Bundestagswahl

7. Februar 2017

Altersarmut verhindern – jetzt die Weichen für die Zukunft stellen

Berlin, 7. Februar 2017 –

Mit deutlichen Forderungen für eine solidarische und gerechte Weiterentwicklung der gesetzlichen Rente bringt sich das Rentenbündnis katholischer Verbände in den Bundestagswahlkampf ein. Vertretungen des Bündnisses stellten heute in Berlin einen Flyer mit sechs Forderungen vor, in deren Mittelpunkt die Existenzsicherung im Alter durch eine Sockelrente steht. Dem Bündnis gehören die Katholische Arbeitnehmerbewegung Deutschlands (KAB), die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), der Familienbund der Katholiken (FDK), das Kolpingwerk Deutschland und die Katholische Landvolkbewegung Deutschlands (KLB) an. 

„Viele Menschen sind schon heute von Altersarmut bedroht: Bezieher von Niedriglöhnen, Erwerbsgeminderte und Langzeitarbeitslose sowie Menschen, die ihre Erwerbsarbeit wegen Pflege und Kindererziehung unterbrochen oder reduziert haben“, so Anna-Maria Mette, stellvertretende kfd-Bundesvorsitzende. „Eine weitere Absenkung des Rentenniveaus droht. Wir wollen deshalb, dass alle Bürgerinnen und Bürger im Alter unabhängig von ihren Erwerbsverläufen innerhalb des Systems der gesetzlichen Rentenversicherung durch eine existenzsichernde Sockelrente abgesichert sind.“

Nicole Podlinski, Bundesvorsitzende der KLB, ergänzt: „Dennoch soll Leistung belohnt werden. Wir wollen, dass alle zusätzlich zum Sockel entsprechend ihrer Beiträge aus Erwerbsarbeit, Kindererziehung und Pflege individuelle Rentenanwartschaften bekommen. Diese sollen nicht – wie heute in der Grundsicherung – mit dem Sockel verrechnet werden“.

Für das Kolpingwerk Deutschland betonte Dr. Victor Feiler im Pressegespräch, dass das bisherige Rentensystem in der Gefahr stehe, die Akzeptanz bei der jüngeren Generation zu verlieren. Das Hauptproblem sei, dass die Politik nur im Rhythmus einer Legislaturperiode und wenig langfristig handelt und Reformen daher meist nur an augenblicklichen Befindlichkeiten ausgerichtet seien. Die wachsenden Probleme des Rentensystems verlangten mit Blick auf neue Herausforderungen wie die demografische Entwicklung jedoch nachhaltige Lösungen. Es dürfe keine Rentenpolitik für die jetzigen Rentner gemacht werden, sondern eine mit Blick auf die Bedarfe und die Situation nachfolgender Generationen.

Dem Familienbund der Katholiken geht es besonders um die Aufwertung der Sorgearbeit, die Menschen in ihren Familien leisten. Stefan Becker, Präsident des FDK: „Deshalb fordern wir zudem eine deutliche Aufwertung der Rentenanwartschaften für die Pflege von Angehörigen. Diese muss auch dann zu einer Rentensteigerung führen, wenn die Pflege nach Eintritt in das Rentenalter geleistet wird.“

Auch die Anerkennung von Kindererziehungszeiten soll weiter verbessert werden. Dazu gehört die Anerkennung in der Rente von drei Jahren Erziehungszeit für alle vor 1992 geborenen Kinder, die aus Steuermitteln finanziert werden soll.

„Zusätzlich zur Existenzsicherung durch eine Sockelrente und individuelle Anwartschaften ist uns der Ausbau der betrieblichen und privaten Altersvorsorge wichtig. Hier bedarf es unter anderem klarer Verpflichtungen für Arbeitgeber und einer Förderung der privaten Altersvorsorge für Bezieher niedriger Einkommen“, sagt Dr. Victor Feiler, Kolpingwerk Deutschland.

Insgesamt ist das Rentenbündnis überzeugt, dass eine Erweiterung des Versichertenkreises in der gesetzlichen Rentenversicherung erforderlich ist: „Es ist anzustreben, die gesetzliche Rentenversicherung zu einer allgemeinen Erwerbstätigenversicherung auszubauen“, so Andreas Luttmer-Bensmann, KAB-Bundesvorsitzender.

Das Rentenbündnis katholischer Verbände vertritt seit über 15 Jahren ein eigenes durch das Münchner ifo-Institut geprüftes dreistufiges Modell zur Weiterentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung. www.buendnis-sockelrente.de.