„….um 82 Jahre gealtert“: KF Waldthurn feierte ihr wahres Alter

21. Dezember 2017

150 Jahre Kolping in Waldthurn – Jubiläumsfeier mit Diözesanpräses

„Mit Wohlgefallen haben wir ersehen, dass in Waldthurn ein katholischer Gesellenverein gegründet werden soll. Gerne erteilen wir hierzu den oberhirtlichen Segen.“ So die Antwort aus dem Bischöfl. Ordinariates, als der Waldthurner Pfarrer Joseph Pritzl im Januar 1867 um Erlaubnis zur Gründung des Vereins bat. Das war der Startschuss für die Kolpingfamilie Waldthurn, berichtete Vorstand Martin Zellner.
Der Gedenkfeier ging ein feierlicher Gottesdienst in der Pfarrkirche voraus. Am Altar versammelt waren Diözesanpräses Karl-Dieter Schmidt, Präses Janusz Szubartowicz und Pfarrer Norbert Götz. Der Diözesanpräses verglich Kolping mit dem Heiligen Martin. Auch Kolping habe sich gekümmert – um Gesellen, die keine Heimat, keine Bildung hatten. Kolping wurde für sie zum rettenden Engel.

 

Bild:
stellv. Bundesvorsitzende
Klaudia Ruderstorfer überreicht
das Ehrendiplom des Bundesverbandes an Vorstand Martin Zellner (r.)

 

Angeführt von der Trachtenkapelle Waldthurn bewegte sich dann ein langer Festzug zum Lobkowitz-Schloss. Dort begrüßte Vorstand Martin Zellner besonders Ehrenmitglied Johann Frischholz und die stellvertretende Bundesvorsitzende Klaudia Rudersdorf. Außerdem konnte er Vertreter der Kolpingfamilien Eslarn, Tännesberg, Moosbach und Pleystein, sowie Vertreter des Pfarrgemeinderates, der MMC und der Kirchenverwaltung begrüßen, ebenso Bürgermeister Josef Beimler, stellv. Bürgermeister Roman Bauer und Markträte willkommen.

Zunächst lieferte Zellner einen Rückblick. Lange Zeit ging man von einer Gründung im Jahr 1949 aus – bis man während der Vorbereitungen zum 30jährigen Gründungsjubiläum die beiden Briefe von 1867 fand, es war demnach das eigentliche Gründungsjahr. „So alterte der Verein praktisch über Nacht um 82 Jahre“, erzählte der Martin launig. Leider seien von damals keine Namen überliefert. Natürlich könnten sich alteingesessene Handwerkerfamilien Gedanken machen, ob vielleicht ein Vorfahre dabei gewesen ist. Drei Kriege haben sicherlich Anteil daran, dass über diese Zeiten keine Unterlagen mehr vorhanden sind. Im letzten Weltkrieg konnten die Gesellenvereine zudem nur eingeschränkt wirken.
1949 machten sich dann erneut verantwortungsbewusste Männer auf, um den Verein neu zu beleben. Zum 1. Senior wurde damals Josef Stubenrauch gewählt. Zellner erinnerte hier besonders an das bereits verstorbene Ehrenmitglied Josef Grundler. Eine lange Liste über Aktivitäten von der Neugründung bis heute konnte der Vorstand präsentieren, von Theateraufführungen über Ausflüge bis zu vielen Tanzveranstaltungen. Er berichtete über die Gründung von Alt- und Jungkolping und über die Mitgliedschaft von Frauen ab 1966. Zellner berichtete von jährlichen Altkleidersammlungen und anderen Aktionen für caritative Zwecke. So könne man 2018 mit Stolz auf 50 Jahre „Aktion Brasilien“ zurückblicken.
1991 war für die Kolpingfamilien ein wichtiges Jahr – der Gesellenvater wurde von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. „Selbstverständlich waren viele Vertreter aus Waldthurn dabei!“
Bei kirchlichen Festen und Feiern ist die Kolpingfamilie immer präsent – ob an Ostern, bei Maiandachten, dem Oktoberrosenkranz oder verschiedenen Jubiläen, z.B. „800 Jahre Wallfahrt Fahrenberg“. In Köln wurde 2015 der 150. Todestag Kolpings bewegend gefeiert. Auch aus Waldthurn war eine Delegation dabei. Im Mai dieses Jahres fand dann die Diözesanwallfahrt auf den Fahrenberg statt. Beim Heimatfest der Marktgemeinde war die Kolpingfamilie ebenfalls stark vertreten. „Natürlich lief nicht immer alles rosig ab“, berichtete Zellner weiter. Beispielsweise brauche man bei der Findung eines neuen Vorsitzenden häufig einen langen Atem.
In seinen Grußworten fasste sich Diözesanpräses Karl-Dieter Schmid kurz, schließlich habe er in der Kirche schon genug geredet. Er freue sich, dass er
dieses Jubiläum mitfeiern dürfe. Es tue gut, zusammen zu feiern. „Etwas haben sich unsere Mütter und Väter stets vor Augen gehalten und damit richtig gemacht“, betonte er weiter, „sie hielten immer zusammen!“ Denn – nach einem Zitat Kolpings – „Wenn man Freud und Leid miteinander teilt, wächst man zusammen!“

Auch die stellv. Bundesvorsitzende Klaudia Rudersdorf hielt ihr Rede kurz. Seit einem Jahr übe sie diesen Posten nun aus, erzählte sie. Ein Großteil ihrer Arbeit sieht sie darin, Dinge aus der Basis in den Bundesvorstand zu bringen, informierte sie die Zuhörer. Die Waldthurner Kolpingfamlie habe, was Kolping ausmacht: „ Ihr arbeitet generationenübergreifend!“ Mit diesen Worten überreichte sie ein Ehrendiplom des Bundesvorstandes zum 150jährigen Bestehen an Martin Zellner.

Präses Janusz Szubartowicz merkte an, dass die Kolpingfamilie auch schwere Zeiten überdauert hat und zitierte aus dem Lied „Wir sind Kolping“. Auch Pfarrer Norbert Götz fasste sich kurz, denn von den 150 Jahren habe er selber bisher nur 86 Tage miterleben dürfen. Vor kurzem habe er die KAB „beerdigt“ – Durchschnittsalter: 80 Jahre.
Dies könne der Kolpingfamilie so schnell nicht passieren, angesichts der vielen jungen Mitglieder. Auch Bürgermeister Josef Beimler ließ es sich nicht nehmen und gratulierte herzlich zum Geburtstag.
„Die Kolpingfamilie ist einer der ältesten Vereine bei uns. Es ist für eine Gemeinde unbezahlbar, eine solche Gemeinschaft zu haben“, betonte Beimler. Er sei natürlich nicht mit leeren Händen gekommen und habe – wie es sich gehört – ein Geburtstagsgeschenk mitgebracht. Am Ende des Abends wurden noch viele Erinnerungen ausgetauscht.

Bild: Diözesanpräses Karl-Dieter Schmidt
beim Jubiläum in Eslarn