Kolping Kallmünz: “Mobbing ist Gewaltanwendung!”

3. April 2018

KF Kallmünz
Bereits zum 17. Mal veranstaltete die KF ein Bildungswochenende für Familien, Junge Erwachsene, Jugendliche und Kinder, an dem heuer 100 Mitglieder teilnahmen. Damit es für alle Teilnehmer interessant wird, erarbeitet Vorsitzender Franz Hübl immer jeweils alterssprezifische Programme und organisiert dafuer die notwendigen Referenten bzw. Gruppenleiter.

Pastoralreferent Gerhard Bauer stimmte am Freitagabend die Teilnehmer mit einer Kreuzwegandacht ein. Kinder und Jugendliche in digitalen Lebenswelten
„Trends in den sozialen Netzwerken“ und „Was Erwachsene, Eltern und Großeltern wissen sollten“ waren Themen der Bildungsarbeit, wozu Franz Hübl als Referenten Bruno Lux, ehem. Leiter der Schulberatungsstelle Ndb., begrüßen konnte. Lux verstand es in amüsanter zugleich lehrreicher Art und Weise den interessierten Zuhörern das Thema nahe zu bringen.
„Facebook, Youtube, WhatsApp, Instagramm, Twitter, Snapchat, Yo, Younow etc. … wenn du nicht dabei bist, dann bist du raus!“, so die breite Meinung vieler Jugendlicher. „Für manche Eltern klingen diese Begriffe wie aus einer anderen Welt, für fast alle Schüler/nnen sind sie allgegenwärtige Realität“, so Lux. Um etwas ueber die Gefahren in diesen Netzwerken, Chatrooms und Videoplattformen zu erfahren, hat die Kolpingsfamilie dieses wichtige Thema zum Schwerpunkt des Bildungswochenendes gemacht.

In seinen Präsentationen stellte Lux die Netzwerke und die Vorgehensweisen der Plattformen vor. Bereits hier staunten viele über die Vielfalt und was hier alles an/ und dargeboten wird. Dabei widmete er sich auch intensiv den Themen Urheberrechte, Haftbarkeit, Straftaten im Internet und deren Konsequenzen. Es ging um den Trend der „Selfies und Selbstdarstellung“, v. a. um die Thematik Mobbing. „Mobbing ist Gewalt, es ist eine schreckliche Situation, in der das Opfer Unterstützung und keine zusätzliche Strafe braucht“, so der Referent. Es ist wichtig, dass Betroffene das Gefühl haben, dass sie nicht alleine sind. Herr Lux warnte die Eltern vor starren Konsequenzen, wie Internet-, Handy- und Computerverbot. „Das ist nicht umsetzbar und illusorisch.“ Besser sei es Kindern den richtigen und maßvollen Umgang mit sozialen Netzwerken und neuen Medien beizubringen und sich in Gesprächen darüber auseinanderzusetzen, sowohl in der Schule als auch zu Hause. Die Eltern müssen hier Vorbild sein und sich selbst an die vereinbarten Regeln halten.

Dichterlesung am Samstagabend
Am Abend gaben die Komödianten Stephan Karl und Helmut Haider, alias „Schmarrnkerl und Funkerl“, das Erstlingswerk des Oberpfälzer Schriftstellers Eugen Oker „Winnetou in Bayern“ zum Besten, was beim Publikum Lachsalven auslöste.

„Nicht ohne uns!“
Am Sonntag stellte Franz Hübl dann das Projekt „199 kleine Helden“ von Sigrid Klausmann und Walter Sittler vor. Dabei kommen 16 Kinder aus allen Kontinenten zu Wort, die ihre Gedanken, Wünsche, Ängste und Hoffnungen vortragen und einen Appell an uns alle richteten: „Nicht ohne uns!“ All diese Kinder sind neugierig und hungrig nach Bildung und wollen einmal die Welt verändern. Dreistündige, gefährliche Schulwege nehmen diese Kinder jeden Tag in Kauf. Tief beeindruckt waren die Zuhörer von der Aussage eines indischen Mädchens: „Ich habe große Lust zu lernen. Egal was, Hauptsache lernen. Das macht mich völlig glücklich“.
So war es für die Kolpingfamilie eine Selbstverständlichkeit, dass Vorstand Franz Hübl dem Pfarrvikar Yesu Jeyapal Savariyappan spontan 500 Euro für seine Heimatgemeinde übergab. Die Spende soll es einer bedürftigen Familie ermöglichen, ihre Kinder in die Schule zu schicken.

Jugend: Sicher unterwegs im Netz
Den Freitagabend verbrachte Bruno Lux mit den Jugendlichen, um ihnen wichtige Informationen zu den Bereichen „Persönlichkeitsrechte, Urheberrechte, Selfies, Mobbing und Challenges“ mit auf den Weg zu geben.
Danach befasste sich der Referent mit dem Bereich Cybermobbing, was das absichtliche Bloßstellen, Ausgrenzen und Beleidigen über Chats, soziale Netzwerke, Fotoplattformen oder andere moderne Kommunikationsmittel bedeutet. Die Folgen von Cybermobbing im Vergleich zu anderen Formen von Mobbing sind besonders fatal, so der Referent. „Das Opfer ist den verbalen und psychischen Angriffen rund um die Uhr ausgesetzt, es gibt keine Möglichkeit, sich zu entziehen oder auszuruhen. Auch wird bei Cybermobbing mit nur einem Klick ein riesengroßes Publikum erreicht.“
Im Anschluss an eine Diskussion zu den Folgen von Mobbing für das Opfer ging Lux auf die strafrechtlichen Konsequenzen für die Täter ein. Die Schüler waren schockiert, als sie hörten, dass Kinder bereits ab dem Alter von 7 Jahren haftbar (wenn auch nicht strafmündig) gemacht werden können. Als wohl wichtigste Botschaft gab Herr Lux den Jugendlichen Folgendes mit auf den Weg: „Ihr seid die stärkste Gruppe! Habt den Mut, hinzuschauen, einzugreifen und Vorfälle zu melden!“
Die zahlreichen Nachfragen im Anschluss an den Vortrag sowie der große Rede- und Diskussionsbedarf der Jugendlichen zeigten die Bedeutung dieses Themas für die Schüler.

Sprecherziehung fuer Theater und Schule
Der Samstag stand im Zeichen der Sprecherziehung für junge Theaterspieler. Unter Leitung von Stephan Karl lernten die Jugendlichen „Verständliches und deutliches Sprechen vor Publikum im Theater oder auch in der Schule.“ Warum können Schauspieler ohne große Anstrengung so laut sprechen? Wie kann man leise sprechen und trotzdem verstanden werden? Wie kann man laut sein ohne Halsschmerzen zu bekommen? Das waren Bereiche, die in zahlreichen Übungen spielerisch behandelt wurden. Am Nachmittag beschäftigten sich die Jugendlichen intensiv mit den Themen „Atmung und Sprechen“ sowie „Stimme, Bühnenpräsenz und Lampenfieber“.
Bild Sprech- und Zungenübungen fuer junge Theaterspieler

 

Bild: Vorstand Franz Hübl
überreichte an Pfarrvikar Yesu eine Spende für Bildungsmaßnahmen in seiner Heimatgemeinde

 

 

 

 

Kinderprogramm: Kinderturnen und Bilderbuchkino
Auch an die jüngsten Teilnehmer wurde in Lambach gedacht. Unter Leitung von Ulrike Buckley und Sonja Kammerl konnten sich die Kinder in der Turnhalle austoben, im Lesezimmer bot Elisabeth Hübl den Kindergartenkindern das Bilderbuchkino „Der kleine Gott und die Tiere“.

Gottesdienst als Höhepunkt
Höhepunkt der Bildungstage war am Sonntagvormittag ein feierlicher Gottesdienst in der Hauskapelle, der von Pfarrvikar Yesu zelebriert wurde.
Zum Schluss der Bildungstage dankte Vorstand Franz Hübl der Hausleitung für dn guten Service und allen Referenten und Gruppenleitern, die zum Gelingen der Bildungstage beitrugen. Er forderte alle auf, sich vor allem in der Familienarbeit auch in Zukunft intensiv einzubringen, damit das Leitbild des Kolpingwerkes „Wir sind ein Familienverband“ auch in Zukunft verwirklicht werden kann.

 

 

Bild: Dichterlesung
„Winnetou in Bayern“