Aus der Geschichte: Kolping in Zeiten der Cholera

25. März 2020

Im Sommer 1849 brach in Köln, wie auch immer wieder in vielen anderen deutschen Städten damals, eine Cholera-Epidemie aus. Schuld waren die schlechten hygienischen Verhältnisse, die damals in den meisten Städten herrschten. Man wusste aber noch nichts über die Infektionswege, die zum Ausbruch der Krankheit führen. Erst 1883 entdeckte der Arzt Robert Koch das Cholera-Bakterium, das meist über verdorbenes Wasser übertragen wird.

Kolping kam just in diesem Jahr 1849 nach Köln, nach seiner Kaplans-Zeit in Wuppertal-Elberfeld und war dort als Domvikar mit unterschiedlichen Aufgaben betraut. An Cholera erkrankte Kölner Einwohner kamen damals in das Bürgerhospital am Neumarkt, das als städtische Pflegeanstalt diente. Die Chronik der Schwesterngemeinschaft, die dort die Hauptarbeit leistete, berichtet dazu:

„Im Juli wurde ein Kranker ins Hospital gebracht. Ungefähr 14 Tage später kamen mehrere Fälle vor, welche ins Hospital gebracht wurden. Von da an trat die Cholera epidemisch auf. Sie wütete bis in die 1. Hälfte des Monats September, besonders heftig Ende August. Am 28. August hatten wir 29 Tote. Im Ganzen wurden über 900 gepflegt, wovon über die Hälfte genesen. Herr Adolph Kolping half Herrn Rektor Marcus in der Seelsorge aus!“

Kolping hatte sich auf Ersuchen ohne Zögern bereit erklärt, die Kranken seelsorgerlich zu betreuen. Vom 20. August bis zum 9. Oktober 1849 hat er sich ganz dieser Tätigkeit gewidmet.  Er zeigt auch später nie Scheu vor dieser Krankheit. Sogar von Betroffenen wurde über seine Hilfeleistung berichtet. So schreibt der evangelische Kupferschmied Kurt Schneppensiefen am 1. Okt. 1849 in einem Brief an seine Braut: „Ich läge lange schon unter dem Rasen, wenn ein gnädiges Geschick mich den guten Kolping nicht hätte kennen lassen. Du müsstest ihn sehen, wie der sich für uns arme Handwerksburschen verzehrt. Bei dem ist man gut aufgenommen. Durch den habe ich einen ganz anderen Begriff von einem katholischen Pastor bekommen!“

Die Armenverwaltung der Stadt Köln wollte Kolping nach dem Ende dieser Tätigkeit eine Vergütung zukommen lassen. Kolping fühlte sich aber deswegen in seiner Ehre als Priester und Seelsorger eher gekränkt und verwies die Armenverwaltung an das Erzbischöfliche Generalvikariat.  Woraufhin Generalvikar Baudri das Geld entgegen nahm und an die Stadtverwaltung schrieb: “Wir glauben, dass Kolping ganz zufrieden gestellt wird, umso mehr, als es uns bekannt ist, dass derselbe sich entschlossen hat, dieses Honorar nicht für sich, sondern für einen wohltätigen Zweck, nämlich für den von ihm ins Leben gerufenen und fortwährend von ihm geleiteten Handwerker-Gesellenverein zu verwenden!“

(Quelle: Hans-Joachim Kracht, Adolph Kolping, Leben und Werk, S. 153 f.)