„Kölner Gespräche 2021“

16. März 2021

Dr. Josef Schuster fordert Weiterentwicklung der Erinnerungskultur
Seit 2006 veranstaltet das Kolpingwerk Deutschland alljährlich die „Kölner Gespräche“ – die dieses
Jahr erstmals digital stattfanden. Gastredner war Dr. Josef Schuster, der Präsident des Zentralrates
der Juden in Deutschland.
Köln – 15.03.2021

Dr. Josef Schuster, der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, hat bei den „Kölner
Gesprächen“ dazu aufgerufen, die Erinnerungskultur weiterzuentwickeln. Das sei angesichts der
sinkenden Zahl an Zeitzeugen und des wachsenden zeitlichen Abstands zum Holocaust ungeheuer
wichtig. Die Erinnerungskultur müsse „mit modernen Formen auch junge Menschen ansprechen, egal,
woher sie oder ihre Familien stammen“, forderte der 66-Jährige, der als Gastredner eingeladen war.
Nachdem die Veranstaltung des Kolpingwerkes Deutschland vergangenes Jahr pandemiebedingt noch
ausfallen mussten, fand sie dieses Jahr erstmals ausschließlich im Internet statt. Zu sehen war der
Videostream am Samstag (13. März) sowohl auf Kolping.de als auch im Web-TV des
Kooperationspartners „Domradio“. Bewusst werden bei den „Kölner Gesprächen“ Themen und Fragen
aus Gesellschaft sowie Politik, Religion und Kirche aufgegriffen und jeweils in den öffentlichen Diskurs
gebracht. Angesichts des Festjahres zur 1.700-jährigen jüdischen Geschichte in Deutschland stand die
in Köln und Würzburg aufgezeichnete Veranstaltung diesmal unter der Überschrift „Mitten in unserer
Gesellschaft – Gegen das Vergessen.“
In ihrer Begrüßungsrede sagte daher auch Ursula Groden-Kranich, MdB, die Bundesvorsitzende des
Kolpingwerkes Deutschland, dass gemeinsam immer wieder daran gearbeitet werden müsse, „das
Judentum mitten in unserer Gesellschaft erblühen zu lassen“ und jederzeit dafür einzustehen, „dass
Antisemitismus hier keinen Platz haben darf“. Leider sei dieser aber noch viel zu oft sicht- und spürbar,
machte Dr. Schuster in seinem Vortrag mit dem Titel „Gegen das Vergessen“ deutlich. „Heute ist auf
Schulhöfen und im Sport das Wort „Jude“ ein Schimpfwort geworden“, betonte er.
Um jüdische Geschichte, Religion und Kultur in ihrer ganzen Vielfalt zu vermitteln, kooperiere der
Zentralrat bereits mit Verlagen und der Kultusministerkonferenz (KMK). Gemeinsam würden etwa
Schulbücher, didaktische Materialien und Lehrpläne überarbeitet.
Wissen über das Judentum zu vermitteln, reiche aber nicht aus, um Schülerinnen und Schüler gegen
Antisemitismus zu wappnen und sie dafür zu sensibilisieren. „Es muss über die verschiedenen Formen
des Antisemitismus aufgeklärt werden, die die Jugendlichen heutzutage vor allem im Internet
antreffen“, sagte Dr. Schuster. Auch Lehrerinnen und Lehrer müssten gezielt fortgebildet werden. Im
Sommer werde daher eine Arbeitsgruppe der KMK und des Zentralrats Empfehlungen vorstellen, wie
Schulen mit Antisemitismus umgehen beziehungsweise ihm vorbeugen können.
Der Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland, Josef Holtkotte, dankte Dr. Josef Schuster für
dessen Achtsamkeit, mit der er „unsere Zeit und Gesellschaft, die Geschichte und den Menschen
beleuchtet“ hat. Dr. Schusters Stimme werde gebraucht, um Überzeugungen zu stärken, die Menschen
schützen und Leben bewahren. Dass jeder Mensch im Licht Gottes wandele, sei die gemeinsame
Überzeugung von Judentum und Christentum. Nur mit Respekt voreinander und mit einem
Verständnis füreinander würden die Wege der Menschen friedliche Wege bleiben.
Wer die Erstausstrahlung der „Kölner Gespräche“ verpasst hat, hat dennoch die Chance,sich die Wortund Musikbeiträge anzusehen: Die komplette Aufzeichnung der Veranstaltung ist ab sofort auf dem YouTube-Kanal des Kolpingwerkes verfügbar.