Kolping-Bezirk Tirschenreuth: Deutliche Worte

18. November 2019

Teilnehmende der Kolping-Bezirksversammlung in Friedenfels

Bezirksversammlung des Kolping-Bezirks Tirschenreuth
Acht Banner von Kolpingsfamilien des Bezirks umrahmten beim Gottesdienst den Altar der Friedenfelser Pfarrkirche vor der Bezirksversammlung. „Es ist schön, dass sich die Kolpingsfamilien mit dem Priestersein und dem priesterlichen Leben auseinandersetzen“, meinte Bezirkspräses Pfarrer Martin Besold zu Beginn des Gottesdienstes.

ein gebürtiger Friedenfelser als Referent: Pfarrer Matthias Fischer


Im Vereinslokal hieß Vorsitzender Reiner Gärtner dann viele Besucher willkommen zum brisanten Vortrag von Pfarrer Matthias Fischer zum Thema: „Warum heute Priester werden? Glaubens- und Lebenserfahrung mit Kirche und Christus!“
. Viele kennen den gebürtigen Friedenfelser und erinnerten sich an seine Primiz 1998.
Der Geistliche sparte dann bei seinem Vortrag nicht mit deutlichen Worten. Er prangerte an, was ihm derzeit an „seiner Kirche“ nicht gefällt: „Ich bedauere die Finanzaffären in einigen Diözesen. Ich bin wütend auf Mitbrüder, die Kinder und Jugendliche missbraucht haben. Ich bin entsetzt über die „Sprachlosigkeit“ mancher Bischöfe zum Thema „Kommunion für konfessionsverschiedene Ehepaare“, über Bischöfe, die sich keine Entscheidung fällen trauen, weil sie großen Widerspruch befürchten. Über Bischöfe und Priester, die am liebsten wieder vor das Konzil zurück wollen und die Messe in lateinischer Sprache und mit Rücken zum Volk feiern würden.“ Er könnte „explodieren“, so Fischer, wenn man von einer Gruppe der sog. „Wahren Katholiken“ anonyme Briefe erhalte, in denen sie mir vorwerfen, ich sei nicht katholisch, ich solle Buße tun, damit ich von Gott nicht verworfen werde“.
„Trotzdem bin ich überzeugt von der Frohen Botschaft, die ich verkünden will, von dem, was ich tue – nicht als Herr des Glaubens, sondern als Diener der Freude“, so Fischer. „Mein Weg war von Kindesbeinen an geprägt von der Nähe zur Kirche. Ob als Ministrant, als Mesner oder im Kirchenchor. Meine Friedenfelser Pfarrer – Dotter, Meier und Haußmann – waren Freunde unserer Familie. Und so war der Wunsch oder auch die Berufung da, selber diesen Beruf einzuschlagen. „Ich würde heute wieder diesen Weg gehen, weil es für mich keinen anderen Beruf gibt, bei dem ich eine solche Bandbreite an Begegnungen mit Menschen erfahren durfte, in verschiedenen Situationen des Lebens.“
Ein langer Applaus war ein deutliches Zeichen der Zustimmung für den Referenten. Reiner Gärtner überreichte eine kleine Stärkung aus der Region und dankte Pfarrer Fischer für sein Kommen, für seine offenen Worte und für sein Glaubenszeugnis.