Kolping in Tirschenreuth – eine Geschichte mit Zukunft!?

11. Februar 2019

Kolping in Tirschenreuth – eine Geschichte mit Zukunft!?
 
Was hat uns der Gesellenvater Kolping (1813-1865) heute noch zu sagen? Darüber ließen sich 25 Interessierte im großen Pfarrsaal informieren. Diözesansekretär Ludwig Haindl tat dies mit viel hintergründigem Wissen. So schilderte er völlig frei sprechend aus dem Leben Kolpings und dem Kolpingwerk heute. Kolping wurde 1813 in Kerpen geboren, übte das Schusterhandwerk aus und lernte dabei die harte Realität der wandernden Gesellen im 19. Jh. kennen.

Dazu gehörte damals ein geringer Status als Handwerker, wenig gesellschaftliches Ansehen, eine weitgehend rechtlose berufliche Stellung oder schlechte Quartiere. Dies alles mussten die Gesellen ertragen werden. Um diesen sozialen Missständen entgegen zu wirken gründete Adolph Kolping vor 150 Jahren sogenannte Gesellenvereine. Diese Idee etablierte sich bereits damals im gesamten deutschsprachigen Europa und darüber hinaus. Kolping begründete von Anfang an keine nationale Idee, sondern einen kirchlich-sozialen Verein.  Er wurde damit zu einem der großen katholischen Sozialreformer des 19. Jahrhunderts neben dem Sozialbischof Wilhelm Emmanuel Ketteler.
 
Kolping selber ging in seinem Leben den mühsamen Weg vom Schuhmachergesellen über ein Theologiestudium bis hin zum Gesellenpfarrer, Schriftsteller und Sozialreformer. Das Werk Kolpings entwickelte sich weiter vom früheren Gesellenverein zur heutigen generationsübergreifenden Kolpingsfamilie.  Die Kolping-Gründung hat sich im laufe ihrer Geschichte gewandelt und ist dadurch kein Museum, sondern lebendig geblieben bis heute. Bis heute stehen die Mitglieder treu zum Banner,  auf der Grundlage des Glaubens wollen sie aus ihrem Leben was machen und sich in Kirche und Gesellschaft einzubringen nach dem Motto: “Im Glauben verwurzelt und mitten im Leben”
Bis heute gibt es weltweit etwa 4.500 Kolpingsfamilien in über 60 Ländern der Erde.
Bereits 1884 gründete sich auch der Tirschenreuther Gesellenverein und entwickelte sich dann zur Kolpingsfamilie. Sie kann also 2019 auf das 135-jährige Bestehenen zurück blicken.  Für soziale Aufgaben und internationalen Hilfsprojekte z.B. in Brasilien oder Peru und vielen anderen Ländern, leistet die jährliche Altkleidersammlung einen wertvollen Beitrag. Der 1991 selige gesprochen Adolph Kolping bleibt bis heute ein greifbares Vorbild für viele Menschen weltweit.
Langjähriges Kolpingmitglied Ludwig Zapf- Kolpingbruder seit über 60 Jahren – schilderte seine unvergesslichen Eindrücke bei der Ehrenwache am Grab Kolpings in der Minoritenkirche in Köln. In guter Erinnerung bleibt auch der “Böhm-Vater”, der aus Kleinkonreuth bei Tirschenreuth stammende frühere Diözesanpräses Karl Böhm, verstorben 1977.
 
Elmar Pilz, als Vorsitzender der Kolpingsfamilie dankte dem Referenten aus Regensburg für die großartige Information in Wort und Bild.  Großer Dank galt auch den zahlreichen Zuhörern. Derzeit stellt sich die Frage, ob die Kolpingidee in Tirschenreuth weiterhin lebendig bleibt, denn es fehlt an Nachwuchs bei den Mitgliedern und im Vorstand.  Personelle Erneuerung und Unterstützung ist dringend notwendig, bittet der Vorsitzende.