Podiumsdiskussion bei KolpingTirschenreuth: Brauchen wir den Sonntag noch?

27. November 2018

KF Tirschenreuth
Der Sonntag bröckelt. Nicht nur der Besuch des Sonntagsgottesdienstes, sondern auch die Sonntagsruhe. Eine Podiumsdiskussion der Kolpingsfamilie diskutierte deshalb die Frage: „Brauchen wir den Sonntag?“

Viele Jüngere können sich vorstellen, am Sonntag zu arbeiten. Dazu verleiten Sonntagszuschläge und Freizeitausgleich. Auch die christliche Einstellung schwindet. Dies wird bei sonntäglichen Gottesdienstbesuchen deutlich. „Wenn Gott aus den Augen entschwindet, sind wir auf dem falschen Dampfer“, sagte Stadtpfarrer Georg Flierl bei der Podiumsdiskussion der Kolpingsfamilie. Die Diskussionsleitung hatte Richard Wittmann, Leiter der Betriebsseelsorge im Bistum Regensburg. Mit am Podium saßen auch der Unternehmer Paulus Mehler, Geschäftsfrau Doris Rösch, Sport- und Jugendbeauftragter Huberth Rosner und der Betriebsratsvorsitzende der Hamm AG, Günther Fiedler.
Wittmann wies darauf hin, dass in Bayern mitterweile 16 Prozent regelmäßig und 40 Prozent der Beschäftigten gelegentlich am Sonntag arbeiten. Die Gründe für zunehmende Sonntagsarbeit liegen in der Produktion, den Autowaschanlagen, im Handwerk, wie Bäckereien. Auch gezielte Rechtsbrüche höhlen das Sonntagsgebot aus. Für Wittmann ist klar: „Der Sonntagsschutz ist ein christliches Gebot aber auch ein Grundrecht für die gesamte Gesellschaft.“

 

Bild: Podiumsdiskussion zur Sonntagsarbeit bei der KF Tirschenreuth, die Leitung hatte Richard Wittmann (Mitte) von der Betriebsseelsorge der Diözese Regensburg

 

 

In der Gesprächsrunde sagte Doris Rösch, dass sie persönlich keinen verkaufsoffenen Sonntag brauche. Wichtiger als diese Sonntage sei doch vielmehr der persönliche Service, der sich auch vom Internet abhebe. Hamm-Betriebsratsvorsitzender Günther Fiedler berichtete, dass die Sonntagsarbeit auch in der Industrie ein kontroverses Thema sei. Bei Hamm werde in der Produktion nur bis Samstag gearbeitet.
Geschäftsführer Paulus Mehler stellte klar: „Bei uns wird am Sonntag nicht gearbeitet.“ Er verhehlte nicht, dass genügend Arbeit da wäre, um auch am Sonntag zu arbeiten – was für das Unternehmen auch kostengünstiger wäre. Dennoch: „Konkurrenzfähigkeit kann nicht nur am Sonntag hängen.“ Er hat den Eindruck, dass bei vielen Menschen ein Sonntag ohne Arbeit nicht mehr zeitgemäß ist, vor allem bei den Jüngeren. Der Geschäftsführer findet es aber wichtig, einen Tag in der Woche für die Familie zu haben.

Stadtpfarrer Flierl betonte, dass die Kirche den Sonntagsschutz brauche: „Für das Gebet, für die Familie und für die Gesellschaft“. Für Flierl sei zunehmende Sonntagsarbeit gar eine neue Art der Sklaverei. Zuhörer wie Reinhard Legat forderten neben Gottesdiensten mehr Begegnungen. Zu Sport am Sonntag merkte Huberth Rosner an, dass es Terminvorgaben sind; ehrenamtliche Betreuer auch nur Sonntags Zeit haben und größere Sportveranstaltungen nur an einem freien Tag möglich seien. Dennoch braucht der Mensch einen Tag, wo er Ruhe findet“, mahnte der Berufssoldat.

Eine Zuhörerin beklagte, dass der Sport die Religion am Sonntag ersetzt habe. Dies ließ ein Jugendtrainer nicht stehen: Wer will, hat für den Gottesdienst genug Möglichkeiten. Das abschließende Resümee von Richard Wittmann: „Wir müssen den Sonntag als den gemeinsamen freien Tag erhalten, dazu müssen wir alles tun, nicht nur die Christen.“