Zum Tod von Bischof Wilhelm Schraml

29. November 2021

Das Kolpingwerk der Diözese Regensburg trauert um seinen ehemaligen Diözesanpräses Wilhelm Schraml, der am 8.11.2021 als Bischof emeritus von Passau in Altötting verstorben und dort am 15.11.2021 in der von ihm geschaffenen Anbetungskapelle beigesetzt wurde.

„Jesus Christus, als den Herrn verkündigen“ – dieses Leitwort hat Wilhelm Schraml über sein bischöfliches Wirken als Weihbischof in Regensburg (1986-2001) und als Diözesanbischof von Passau (2001-2012) gestellt. Buchstabengetreu kann dieses Wort auf den gesamten priesterlichen Dienst von Wilhelm Schraml in den zahlreichen und vielfältigen Funktionen übertragen werden. Dies gilt in ganz besonderer Weise für sein Tätigsein im Kolpingwerk unseres Bistums.
Schon als junger Kaplan in Falkenstein (1961) und St. Konrad Konrad Regensburg (1966) wurde ihm die Aufgabe als Präses der dortigen Kolpingsfamilien übertragen. Der damalige Diözesanpräses Prälat Karl Böhm wurde auf den rührigen und vielseitig begabtgen Kaplan aufmerksam und übertrug ihm das Amt des stellvertretenden Diözesanpräses. Bischof Rudolf ernannte Wilhelm Schraml zum Domvikar und übertrug ihm die Leitung des Kolpinghauses und betraute ihn zugleich mit dem Amt des Kolping-Diözesanpräses im Bistum Regensburg. Statutenänderungen im Verband brachten es mit sich, dass Wilhelm Schraml auch ein Jahr das Amt des Diözesanvorsitzenden wahrnahm. Begeistert von den Ideen und der Zielrichtrung Adolph Kolpings ging es Wilhelm Schraml in erster Linie um die religioöse und menschliche Formung der ihm anvertrauten Menschen. Sein Gespür für die Nöte der jungen Generation, sein gefühlvolles Hineindenken in die oft innere Zerrissenheit junger Menschen ließen ihn so manches, in religiösen Fragen zunächst ablehnendes junges Herz gewinnen. Mit viel Geduld, Verständnis und Güte, aber auch mit straffer Hand, konsequentem Handeln und dem Setzen klarer Grenzen schaffte es Präses Schraml das Kolpinghaus St. Ehrhard für die jungen Menschen zu einem „Vaterhaus in der Fremde“ – wie es Kolping wollte – zu schaffen. Die Neukonzipierung und Sanierung des gesamten Hauses und dessen Umbau zu einem leistungsfähigen Bildungs-, Konfernz- und Begegnungzentrum waren weitere Schritte.
Ein besonderer Schwerpunkt und ein großes Anliegen war Präses Schraml vor allem der Ausbau des Kolpingwerkes als katholischer Verband. Als wesentlicher Schritt dazu erwies sich die Neustrukturierung und Schaffung von leistungsfähigen Bezirksverbänden (früher Gaue), stabile Vorstandschaften in den Kolpingsfamilien und die Vernetzung der verschiedenen Ebenen. So konnten in der Zeit die Zahl der Kolpingsfamilien von etwa 130 auf 154 erhöht werden und die Zahl der Mitglieder stieg von 9000 auf über 16000. Ungezählt bleiben die Besuche, Vorträge, Versammlungen, Hilfestellungen in den Kolpingsfamilien und Bezirken, sowie das Engagement auf Landes-, Bundes- und Internationaler Ebene. Wilhelm Schraml war immer unterwegs zu seinen Kolpingbrüdern und – schwestern.
Seiner unermüdlichen Schaffenskraft verdanken wir es, dass das Kolpingwerk Regensburg zu den großen Verbänden in Deutschland gehört und in Fragen der Jugendarbeit an erster Stelle steht. Der Aufbau des Kolping-Bildungswerkes, der Bau einer Kapelle in Lambach und die Erweiterung dieser Familienferienstätte, die Sanierung von Kolpinghäusern, die Entwicklung zahlreicher Initiativen in der religiösen und allgemeinen Bildungsarbeit, wie Familienexerzitien, Familienwallfahrten, Familienkreise, die Schaffung eines eigenen Jugendteams und nicht zuletzt das ganz persönliche Engagement in der Entwicklungshilfe sind Elemente der Arbeit des Kolpingwerkes im Bistum Regensburg, die mit dem Namen Wilhelm Schraml verbunden bleiben.

Noch ein persönliches Wort:
Während seiner 12jährigen Tätigkeit als Diözesanpräses konnte ich an seiner Seite als Diözesanvorsitzender mitarbeiten. In dieser Zeit habe ich Wilhelm Schraml als einen Menschen und Priester kennengelernt, der es verstand, die Menschen dort abzuholen wo sie stehen, sie anzunehmen wie sie sind, ihnen zuzuhören und ihnen seine priesterliche und menschliche Hilfe anzubieten. Dies geschah nicht in bloßer Pflichterfülllung, sondern entsprach seiner tiefen Gläubigkeit und Verbundenheit mit Gott und der Kirche.
Wer in seiner Nähe wirkte und arbeitete, wer ihm begegnete und mit ihm sprach, wer ihn im Dienst am Wort Gottes erlebte, der spürte dass Wilhelm Schraml zu jenen Priestern gehörte, wie wir Laien sie uns wünschen. Der gütige und barmherzige Gott vergelte ihm seinen Einsatz im Kolpingwerk unseres Bistums mit einem „Leben in Fülle“

Ernst Beier, Diözesanehrenvorsitzender